Adblocker sind bereits seit einigen Jahren unter Internetusern weit verbreitet. Dennoch war ich sehr überrascht, als ich die Adblocker-Statistiken für Österreich sah. Vor allem deshalb, da es Ende 2013/ Anfang 2014 den großen Aufschrei bzgl. des Adblock Plus Skandal gab.

Viele vermuteten große Werbeplayer hinter dem deutschen Unternehmen welches das Browser-Plugin Adblock Plus entwickelte. Berichten zufolge hatte Adblock Plus viele Millionen Dollar von den großen Werbe-/Internet-Firmen (wie Google, Amazon & Co.) eingesammelt, damit deren Werbebanner nicht weiter geblockt werden! Ein Skandal der scheinbar keine Auswirkungen auf die Download-Statistiken hat(te).

Hier ein paar Adblocker Statistiken aus Österreich

Statistiken aus dem Jahr 2013 zufolge, haben 26% aller österreichischen Internetnutzer einen Adblocker installiert. Das ist eine durchaus beachtliche Zahl. Ein Abwärtstrend ist derzeit nicht zu erkennen.

Vorurteile, dass Adblocker insbesondere unter den männlichen Heavy-Nutzern mit Bezug auf den Gaming- bzw. Tech-Bereich zu finden ist, sind so nicht korrekt. Auch hier ein Zitat aus der Studie:

“Wir haben extra einen weiblich dominierten Familien-Bereich an Websites ausgewertet, die eher weibliche Leser haben und dort Zahlen im Durchschnitt erhalten.”

Es scheint, dass Adblocker beim 0815-User angekommen sind. Egal ob männlich oder weiblich. Alt oder jung. Internet-unerfahren oder -affin.

Doch wozu das Ganze?

User sind es gewohnt Online-Inhalte kostenlos von großen sowie kleinen Publishern zu konsumieren. Die Werbeindustrie macht’s möglich und so haben wir über Jahre hinweg gelernt, dass Inhalte “eh gratis” abrufbar sind. Doch selbst wenn wir keinen direkten Preis für den Konsum von Inhalten zahlen, so zahlen wir doch indirekt mit unseren Daten, welche wiederum von Online Publishern genutzt werden um ein gutes Werbeumfeld schaffen zu können. Denn von irgendetwas muss/will man ja leben als Online-Publisher. Ganz egal ob als kleiner Blogger oder Big Player. Hinter jeder Zeile Text steht eine Arbeitsaufwand. Und solange Roboter nicht unsere Texte schreiben, wird auch eine menschliche Ressource für diese Content Produktion benötigt.

Andererseits wissen wir seit jeher, dass Online-Werbung (sei es in Form von Display-Werbung, o.ä.) vorwiegend als störend empfunden wird. Wir (die Online-Marketer) reden uns immer ein wie effektiv und zielgerichtet Online-Display-Werbung ist. Wir können ja alles messen. Und wenn wir die Konversion Rate von 1 % auf 2,5 % steigern, dann freuen wir uns riesig!

Doch insbesondere die Vielsurfer unter uns wissen, wie störend Retargeting sein kann. Und wenn auf einen Werbebanner geklickt wird, dann passiert dies meist unbeabsichtigt. Hände hoch, wer schon mal absichtlich auf einen Display-Banner geklickt hat?

Wer viel im Netz unterwegs ist, wird das Gefühl kennen, von dieser nervige Zalando-[oder-setze-hier-einen-belieben-Werber-ein]-Anzeige verfolgt zu werden. Und das alles nur weil man auf der Suche nach einem passenden Geschenk für die Freundin war.

Eine Lösung muss her. Und da kommt der Adblocker ja gerade recht.

Nun ja, jetzt kann man andererseits argumentieren: User mit Adblocker sind “Freerider”, also Trittbrettfahrer. Das Trittbrettfahrerprinzip ist ein allseits bekanntes und weitverbreitetes Prinzip bei reinen öffentlichen, aber auch bei Allmendegütern. Doch was passiert, wenn es irgendwann mehr Trittbrettfahrer (= Adblocker User) gibt als zahlende Kunden (=User ohne Adblocker)? Wer finanziert dann unsere geliebten Stamm-Websites/Blogs/News-Sites?

Kein Wunder also wenn Anti-Adblocker-Technologien auf den Markt treten, die versprechen, Werbung an Adblocker User auszuliefern. Quasi spezielle Werbung für Adblocker User. Doch Moment mal…Werbung an jene User welche sich aktiv entschieden haben keine Werbung mehr konsumieren zu wollen. Kann das gut gehen? Da ist es doch nur eine Frage der Zeit bis ein Anbieter verspricht, eine Adblocker-Technologie für Anti-Adblocker-Technologien zu entwickeln. Wir ihr seht: wir drehen uns hier im Kreis. Im Kreis, an dem eigentlichen Problem vorbei. Und das Problem heißt: Finanzierung von Online-Inhalte! Und hier sind wir – bei einem der großen Mysterien in der digitalen Welt, so scheint es. Weitere Ausführungen an dieser Stelle nicht notwendig.

Gut, aber sind jetzt Adblocker die Guten oder die Bösen?

by_Bernd-Kasper_pixelio.de - Adblocker BeitragAdblocker sind Gatekeeper. Adblocker bestimmen, welche Contents auf einer Website angezeigt werden und welche nicht. Adblocker unterbinden in der Regel als Werbung deklarierte Inhalte und ermöglichen so den Konsum von redaktionellen Inhalten ohne dabei Werbeinhalte mit-konsumieren zu müssen. Habe ich einen Adblocker aktiviert, so gebe ich somit die Freiheit selbst zu entscheiden, welche Inhalte ich konsumieren möchte und welche nicht, ein Stück weit auf.

Durch den Kauf von “Werbeplätzen” bei diesen Adblockern gelingt es großen Werbeplayern dennoch Werbung auszuliefern. Am Ende werden die Kleinen (Publisher) verlieren. Es ist somit eine Verschiebung von Werbe-Spendings (von Publisher-Seite zu Adblocker-Seite). Kommt Euch das bekannt vor? (Google.)

Was kann ich als User tun?

Ich möchte mich hier weder als Adblocker-Feind noch als -Freund positionieren. Ich habe selbst einen Adblocker installiert und verwende diesen unregelmäßig. Insbesondere wenn ich von “störender, aufdringlicher Werbung verfolgt werde”. Doch auch bin ich mir bewusst, dass ich die nicht allzu hohen Einnahmen meines Lieblingsbloggers/News-Site mit aktiven Adblocker weiter gefährde.

Die Alternative?

Spannend fand ich etwa den Ansatz einer Website welche User mit aktivem Adblocker mit folgender Einblendung hinwies:

Adblocker Info-Bubble - kreative Adblocker Lösung

Als User finde ich das fair. Entweder ich bezahle direkt an die Site (in Form einer kleinen Spende oder eines Social Shares) oder ich deaktiviere meinen Adblocker beim Konsum dieser Site.

Ein kreativer Ansatz, den ich mir bei anderen Sites ebenso gut vorstellen könnte!

Und zum Schluss…

Als User sage ich: egal ob ihr Adblocker verwendet oder nicht. Bewusst oder unbewusst. Seid euch über die Konsequenzen im Klaren.

Die Werbeschaffenden unter uns fordere ich auf kreative, intelligente Werbung zu schaffen, die den User dort abholt wo er sich befindet! Und das heißt eben NICHT, nach einem Seitenaufruf von Nike Schuhen auf zalando.at den ganzen Tag von Nike-Schuhen umringt zu werden!

Wenn ich Werbung will, dann jene die mich trifft. Die mich informiert. Die mich unterhält. Die mich versteht! Die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist und eben nicht mich permanent verfolgt.

Update: Statement von Adblock Plus

Nach Veröffentlichung dieses Blogbeitrags erhielt ich ein Statement von Adblock Plus – einem der bekanntesten Adblocker. In diesem Statement wurde eine sogenannte Whitelist bestätigt. D.h. Publisher mit “guter Werbung” können sich für diese Whitelist bewerben – dazu ist es notwendig einen Katalog an unterschiedlichen Kriterien zu erfüllen. Erfüllt der Publisher diese Kriterien, so wird Werbung auf seiner Seite nicht weiter blockiert. Weiters wurde der “Kauf von Werbeplätzen” bei Adblockern (wie etwa Adblock Plus) verneint. Bestätigt wurde jedoch, dass der Whitelisting-Vorgang “in Rechnung gestellt wird”. In Summe seien etwa “10 % der Whitelisting-Partner zahlende Partner”.

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